Die Lebensphilosophie von König Sascha I. und Königin Eva aus dem Hause Hipler
Vielen Einwohnern Müllenbachs ist der Name Sascha Hipler nicht erst durch die Königswürde im Müllenbacher Schützenverein ein Begriff. Durch seinen Zweitberuf bei der freiwilligen Feuerwehr der Löschgruppe Dannenberg-Müllenbach kann man ihn als bekannte Persönlichkeit im Kirchspiel Müllenbach bezeichnen. Wir wollten einen Blick hinter die Kulissen werfen, und so begann ein interessantes und abwechslungsreiches Königsinterview.

In gemütlicher Runde trafen sich König Sascha I. mit Gattin Eva, das Hofmarschallpaar Willi Wendt und Veronika Schenk sowie Dr. Stefan Viebahn, Thomas und Lukas Machinek von der Festbuchkommission in der Königsresidenz „Zu den Rödelteichen 13“ in Müllenbach, um mehr von den Erlebnissen des Königsjahres zu erfahren und die Majestäten besser kennen zu lernen.
1979 wurde Sascha in Wipperfürth geboren. Aufgewachsen ist er in Holzwipper und im September 2008 in die Wohnung im Feuerwehrgerätehaus nach Müllenbach gezogen. Ganz schnell habe er „Müllenbach massiv schätzen gelernt“, resümiert seine Majestät rückblickend. Dabei habe ihm die gute Nachbarschaft die Eingewöhnung sehr leicht gemacht. Außer seiner Grundschulzeit und natürlich zahlreichen Schützenfesten in seiner Kindheit hatte Sascha bislang keinen Bezug zum Kirchspiel Müllenbach. Dieses änderte sich nun schlagartig, denn gut ein Jahr später siedelte die Löschgruppe Dannenberg-Müllenbach von Dannenberg nach Müllenbach um. Am 03.10.2009 fand die Einweihung des modernisierten Feuerwehrgerätehauses statt, und dazu hatte man selbstverständlich ein Fest organisiert. So kam es, wie es kommen musste: die Wege von Sascha Hipler und dem ehemaligen Hauptmann Matthias Pack kreuzten sich. Bestens ausgerüstet legte der Vollblutschütze Pack die Beitrittserklärung auf den Tisch und nahm Hauptbrandmeister „Brandrat Lichterloh“ Hipler in den Schützenverein auf. Seit Mai 2012 gehört der Singlehaushalt der Vergangenheit an und seine heutige Ehefrau Eva zog ebenfalls nach Müllenbach. Bestens eingelebt, wurde im Sommer 2014 geheiratet und seit 2015 wohnt das Königspaar im Eigenheim in den Rödelteichen.

Seit nunmehr 20 Jahren übt König Sascha seinen Beruf als Industriekaufmann bei der Fa. Chr. Höver & Sohn in Lindlar aus. Diese Beständigkeit ist sicherlich ein nicht unerheblicher Faktor für seine Ruhe, Ausgeglichenheit und soziales Engagement. Seit 1997 ist er in der Feuerwehr aktiv und hat die Jugendfeuerwehr 14 Jahre lang geleitet. Durch ständige Lehrgänge und Seminare wurde Sascha 2008 zum Hauptbrandmeister und Löschgruppenführer befördert. Die langjährige Erfahrung und der positive Umgang mit Menschen spiegelt sich auch in der personellen Entwicklung der Löschgruppe wider. Er hat die Fäden in der Hand, ohne dabei autoritär sein zu müssen. Beim Umzug im Jahre 2009 mit 12 Mitgliedern gestartet, umfasst die freiwillige Feuerwehr inzwischen 27 Männer und weitere Unterstützung ist herzlich willkommen. Die freundschaftlichen Bande und Kooperation zwischen Feuerwehr und Schützenverein spielen bei dieser Entwicklung sicher auch eine nicht ganz unwesentliche Rolle. Fast die gesamte Truppe ist auch Mitglied im Schützenverein, und so kam von ihr der Wunsch auf, bei den Umzügen zum Schützenfest in Uniform mit Standarte teilzunehmen. Im Schützenverein übernahm seine Majestät im Jahre 2014 weitere Verantwortung. In der Kinderkommission kümmert er sich auch hier intensiv um die Nachwuchsarbeit. Dieses Ehrenamt ist verständlicherweise nur mit viel Idealismus und Rückhalt in der Familie möglich. Hier stellt sich schnell heraus, dass sich Sascha und Eva ideal ergänzen. Eva ist 9 Jahre jünger und in Wipperfürth geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur auf dem St. Angela Gymnasium und einem FSJ an der Anne-Frank-Schule hatte sie den ursprünglichen Berufswunsch, Musik zu studieren, verworfen, und stattdessen entschied sie sich für ein Lehramtsstudium für Sonderpädagogik. Heute ist sie an der Jakob-Moreno-Schule in Gummersbach tätig. Ihre Leidenschaft zur Musik hat sie aber nicht verloren. Seit dem 12. Lebensjahr spielt Eva im Kammerorchester in Wipperfürth. Sie ist inzwischen Konzertmeisterin und spielt die 1. Geige. Ganz nebenbei ist sie auch 1. Vorsitzende des Kammerorchesters.

Das Hobby oder Ehrenamt, egal wie man es bezeichnen möchte, verlangt Sascha (aber auch Eva) auch mental einiges ab. Bei jedem Einsatzbefehl herrscht zunächst eine Ungewissheit. Oft sind es Fehlalarme, durch die man sich aber nicht verleiten lassen oder sie gar ignorieren sollte. Man(n) fährt mit voller Konzentration zum Einsatzort. In Erinnerung blieben dabei besonders drei Einsätze: Der Brand des Waldhotels in Marienheide, der über 13 Stunden dauerte, der Einsatzbefehl zum Brand des Hauses seiner Schwester in Griemeringhausen sowie der Unfall mit einem Unimog in einem Frisörsalon in Marienheide. „Wenn der Einsatzbefehl kommt, wird der Schalter umgelegt und alles bleibt liegen und stehen. Es entsteht ein Tunnelblick und volle Konzentration gilt dem Einsatz.“ Entspannung finden sowohl Sascha als auch Eva im Gegenzug bei Konzertbesuchen unterschiedlichster Ausrichtung – egal, ob Klassik (Konzerte, bei denen Eva aktiv mitspielt), Jazz oder Rock- und Popmusik der 80er Jahre oder der aktuellen Charts. Gemeinsam genießen sie aber auch die Ruhe bei Spaziergängen mit dem Hund „Hugo“ im Wald, auf der Terrasse oder der Gartenarbeit.
Als den beiden Majestäten die Bilder während des letztjährigen Vogelschießens gezeigt wurden, spielte sich vor dem inneren Auge ein Spielfilm ab. Sascha schwärmte dabei „von dem einmaligen Flair im Schießbunker und der tollen Unterstützung durch die Schießkommission“. Der Adrenalinspiegel war ähnlich hoch wie vor einem Feuerwehreinsatz. „Das Herz schlägt bis zum Halse“. Noch mit dem Gewehr im Anschlag sah er den „Falken vom Tönnishagen“ zersplittern und musste sich danach erst einmal setzen. „Dann habe ich ein Tränchen geweint – es war ein emotional sehr bedeutender Augenblick“. Das Schützenvolk vor dem Schießbunker konnte es gar nicht erwarten, dem neuen König zu gratulieren. „Achtung Leute, ich bin schwer (die Offiziere Bastian Hollmann und Meik Brinkmann ließen sich nicht davon aber nicht beeindrucken) – aber noch ehe ich mich versah, war ich auf den Schultern.“ Danach lief alles wie in einem Film ab und erst nach einer kurzen Ruhepause nach dem Empfang in der Festhalle konnte sich das neue Königspaar bei einem Bier in trauter Zweisamkeit ein wenig sammeln: „Aber Eva, ich kann doch gar nicht schießen…“. Zuhause angekommen, wartete die erst Überraschung auf die beiden. Der Nachbar Stefan Auerbach hatte die Lautsprecherdurchsagen verfolgt und schnell ein Willkommensgruß erstellt. „Herzlichen Glückwunsch, Majestät“ hing bereits als Schild über der Haustür.
Das Hofjahr sei geprägt von durchweg positiven Erlebnissen, so resümierten sowohl die Majestäten als auch das Hofmarschallpaar. „Alle ziehen an einem Strang“, geben alle vier einmütig zu Protokoll. Dabei spielte der Altersunterschied von 32 Jahren zwischen dem jüngsten und dem ältesten Hofmitglied überhaupt keine Rolle. Der zeitliche Mehraufwand, die „inoffiziellen Pflichttermine“ zu absolvieren, war kaum spürbar, denn auf den meisten Festen ist die Feuerwehr auch ohne einen König in den eigenen Reihen stets vertreten. Für die größeren Aufgaben, wie z.B. das Anknipsfest, wurden separate Teams gebildet, so dass sich die Arbeit auf viele Schultern verteilte. Mit Glanz in den Augen erinnerten sich die Majestäten an den Moment, als sie den restaurierten Königsvogel in Empfang nehmen konnten. Jonas Schenk und Marvin Jamke hatten die Reste des letztjährigen Greifs eingesammelt und hervorragend wieder zusammengesetzt.

Einen besonderen Beitrag hatte sich der Hof als Hofprojekt überlegt. Der Schießstand könne doch einen neuen Anstrich gebrauchen. Durch die fachmännische Unterstützung und Beratung des Vaters der Königin – der selbständige Malermeister Ulrich Herholz – wurde auch diese Aktivität bravourös gemeistert und an der Außenfassade erstrahlt nun zudem das Vereinswappen. Der Verein konnte wieder einmal vom Idealismus seiner Schützen samt Partnerinnen profitieren. Daher kam es nicht von ungefähr, dass das Lied der Fantastischen Vier zusammen mit Clueso aus dem letzten Jahr zum Mottolied avancierte:
„Wir sind zusammen groß,
wir sind zusammen eins
Komm lass ’n bisschen
noch zusammen bleib’n
Nehmt die Flossen hoch,
und die Tassen auch
Wir feiern heute bis zum Morgengrau’n“
Wir bedanken uns beim Königs- und Hofmarschallpaar für den sehr schönen Abend, die großzügige Bewirtung und Bereitschaft, offen und bereitwillig, die vielen Fragen zu beantworten.
