Mehr als nur ein Marsch

Tapfer, stolz, treu und fröhlich: Die „Müllenbacher Schützen“ charakterisierte der örtliche Komponist Willi Schneider im Juli 1950 in seinem gleichnamigen Marsch. Noch heute, 60 Jahre später, ist das Lied in aller Munde: Den Müllenbacher Schützenmarsch kann nicht nur jeder gestandene Schütze mitsingen – bereits der kleinste Nachwuchs ist textsicher, wenn’s um die Nationalhymne Müllenbachs geht. Mit der knappen Komposition machte Schneider seinen Schützenbrüdern ein Geschenk, dessen Wert damals noch gar nicht abzuschätzen war.

„Hoch oben im Oberbergischen Land, im schönen Möllenbiek. Da trägt noch der Schütze die Mütze, das Band – und schießt noch mit scharfem Blick.“ Es ist nicht mehr und nicht weniger als eine Beschreibung der damaligen Zustände, die Schneider 1950 zu Papier brachte. Kein hochtrabender Text, nichts Bedeutendes, eher bescheiden. Vielleicht ist das der Grund, warum das Lied in Müllenbach so erfolgreich wurde. Binnen weniger Jahre avancierte der Marsch zu einem Schlager, der von so vielen Festbesuchern mitgesungen wird wie nie zuvor. Schließlich hat Schneiders Text noch heute genauso Gültigkeit: „Einst stand er tapfer für Heimat und Herd, und heut’ schießt er stolz noch den Adler zur Ehr’.“ So war es, so ist es, und so soll’s bleiben.

Wie sehr die Müllenbacher ihr Lied lieben, zeigte sich im Jahr 2008. Dirigent Heinz Kleine überarbeitete die damals mehr als 55 Jahre alte Partitur über viele Winterwochen Note für Note. Für Flöten, Klarinetten, Trompeten, Tenorhörner, Bariton, Posaune, Tuba, Trommeln und Becken verfasste er am Computer jeweils eigene Notenblätter. Die nunmehr sauber dokumentierte Orchesterfassung des Müllenbacher Schützenmarschs löste die handschriftlichen und teilweise unleserlichen Noten von 1950 ab. Jetzt ist Schneiders Marsch sogar durch die GEMA geschützt – und klingt besser als je zuvor. „Und singt treuen Herzens fröhlich und froh, dem Müllenbach ein Horrido!“